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Dekubitus vorbeugen zu Hause: So schützen Sie die Haut bei Bettlägerigkeit

Ein Dekubitus entsteht oft schneller, als Angehörige denken – aber er lässt sich zu Hause in vielen Fällen verhindern. Wir zeigen, worauf es beim Umlagern, bei der Hautbeobachtung und der Druckentlastung wirklich ankommt.

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nuvie Redaktion
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·18. Juli 2026· 6 min Lesezeit

Wenn ein Mensch viel liegt oder sitzt, kann die Haut an den falschen Stellen wund werden – manchmal innerhalb weniger Stunden. Ein Dekubitus, umgangssprachlich „Wundliegen“, gehört zu den Dingen, vor denen viele Angehörige zu Recht Respekt haben. Die gute Nachricht: In der häuslichen Pflege lässt sich einem Druckgeschwür in den meisten Fällen wirksam vorbeugen. Es braucht dafür kein medizinisches Studium, sondern vor allem Aufmerksamkeit und ein paar Handgriffe, die zur Gewohnheit werden.

Wir betreuen als ambulanter Pflegedienst in Darmstadt viele Menschen, die dauerhaft im Bett oder im Rollstuhl versorgt werden. In diesem Ratgeber geben wir Ihnen weiter, worauf es dabei ankommt – ehrlich, alltagstauglich und ohne Panikmache.

Was ist ein Dekubitus – und warum entsteht er?

Ein Dekubitus ist eine Schädigung von Haut und darunterliegendem Gewebe, die durch anhaltenden Druck entsteht. Drückt ein Knochen von innen und die Matratze von außen über längere Zeit auf dieselbe Hautstelle, werden die kleinen Blutgefäße abgedrückt. Das Gewebe wird nicht mehr richtig durchblutet – und beginnt zu leiden.

Entscheidend ist die Kombination aus Druck und Zeit. Ein gesunder Mensch verlagert im Schlaf unbewusst ständig sein Gewicht. Wer sich aber kaum noch allein bewegen kann, bleibt in derselben Position liegen. Dazu kommen oft Scherkräfte: Rutscht jemand im Bett nach unten, verschieben sich Haut und Gewebe gegeneinander, und auch das schädigt die feinen Gefäße.

Wer ist besonders gefährdet?

Nicht jeder Mensch, der viel liegt, bekommt ein Druckgeschwür. Das Risiko steigt aber deutlich, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • Bettlägerigkeit oder wenig Bewegung, etwa nach einem Schlaganfall, bei fortgeschrittener Demenz oder in der letzten Lebensphase
  • Feuchtigkeit auf der Haut durch Inkontinenz oder starkes Schwitzen, die die Haut aufweicht und anfälliger macht
  • Mangelernährung und zu wenig Trinken, weil dem Gewebe dann die Bausteine zur Regeneration fehlen
  • Durchblutungsstörungen und Diabetes
  • Gefühlsstörungen, wenn der Druckschmerz gar nicht mehr als Warnsignal ankommt
  • sehr schlanke Menschen mit wenig Polster über den Knochen – aber auch sehr schwere Menschen

Besonders empfindlich sind die Stellen, an denen ein Knochen dicht unter der Haut liegt: Kreuzbein und Steißbein, die Fersen, die Hüften, die Ellenbogen, die Schulterblätter sowie Hinterkopf und Ohren. Genau diese Punkte sollten Sie im Blick behalten.

Die wichtigste Maßnahme: regelmäßig die Position wechseln

Der wirksamste Schutz vor einem Dekubitus ist Bewegung. Wo ein Mensch sich nicht mehr selbst dreht, übernehmen das die Pflegenden – durch regelmäßiges Umlagern.

Als grobe Orientierung gilt im Bett oft ein Wechsel etwa alle zwei Stunden, im Sitzen sogar häufiger. Wichtiger als ein starrer Zeittakt ist aber, dass die Abstände zum Menschen passen: Manche brauchen häufigere Wechsel, andere kommen mit etwas längeren Abständen aus. Achten Sie darauf, wie schnell sich eine Hautstelle rötet – das verrät Ihnen mehr als jede Faustregel.

Bewährt hat sich die 30-Grad-Schräglagerung: Der Mensch liegt leicht zur Seite geneigt, gestützt durch Kissen im Rücken, sodass das Gewicht neben dem Kreuzbein und nicht direkt auf dem Knochen ruht. Auch kleine Positionswechsel – ein Kissen anders legen, einen Arm umbetten – entlasten schon spürbar. Ziehen Sie den Menschen dabei nie über das Laken, sondern heben Sie ihn an oder nutzen Sie ein Gleit- oder Drehtuch. So vermeiden Sie Scherkräfte.

Ein oft übersehenes Detail: die Fersen. Sie tragen im Liegen viel Gewicht auf kleiner Fläche. Legen Sie ein Kissen unter die Unterschenkel, sodass die Fersen frei „schweben“ und gar keinen Druck bekommen.

Druck von den gefährdeten Stellen nehmen

Neben dem Umlagern helfen die richtigen Hilfsmittel, den Druck zu verteilen. Eine Weichlagerungs- oder Wechseldruckmatratze kann sinnvoll sein, wenn jemand dauerhaft liegt. Solche Hilfsmittel verordnet der Arzt oder die Ärztin; die Pflegekasse beteiligt sich in vielen Fällen an den Kosten. Wir beraten Sie gern, was im konkreten Fall passt.

Ein hartnäckiger Irrtum sind Ringkissen oder Gummiringe („Sitzringe“). Sie entlasten zwar die Mitte, drücken aber den Rand umso stärker ab und verschlechtern die Durchblutung dort. Davon raten Fachleute heute ausdrücklich ab. Setzen Sie lieber auf weiche, flächige Kissen zur Lagerung.

Haut täglich beobachten und richtig pflegen

Machen Sie es sich zur Gewohnheit, die gefährdeten Stellen einmal täglich anzuschauen – zum Beispiel beim Waschen oder beim Wechsel der Kleidung. Sie suchen nach Rötungen, die nicht verschwinden.

Dafür gibt es den Fingertest: Drücken Sie mit dem Finger kurz auf die gerötete Stelle. Wird die Haut unter dem Druck kurz weiß und rötet sich danach wieder – gut, die Durchblutung funktioniert. Bleibt die Rötung dagegen bestehen und lässt sich nicht wegdrücken, ist das ein erstes Warnzeichen für einen beginnenden Dekubitus. Dann muss diese Stelle konsequent entlastet werden.

Für die Hautpflege gilt:

  • Halten Sie die Haut sauber und trocken. Bei Inkontinenz die Einlage zeitnah wechseln und die Haut sanft reinigen.
  • Nutzen Sie milde, pH-neutrale Produkte und einen leichten Hautschutz, damit die Haut geschmeidig bleibt.
  • Massieren Sie gerötete oder gefährdete Stellen nicht. Kräftiges Reiben, Eiswürfel, Föhnen oder Franzbranntwein sind überholt und schaden der Haut eher, als dass sie helfen.

Ernährung und Trinken nicht vergessen

Haut, die gut versorgt ist, hält Druck besser stand. Achten Sie deshalb auf ausreichend Eiweiß, Energie und Flüssigkeit. Gerade ältere Menschen essen und trinken oft zu wenig, ohne es zu merken. Kleine, appetitliche Portionen über den Tag verteilt, Lieblingsspeisen und regelmäßige Trinkangebote helfen mehr als große Mahlzeiten, die liegen bleiben. Wenn das Essen dauerhaft schwerfällt oder jemand deutlich abnimmt, sprechen Sie das beim Hausarzt an.

Wann Sie uns – oder den Arzt – einschalten sollten

Holen Sie sich Unterstützung, sobald Sie unsicher sind. Zögern Sie nicht, wenn Sie eine nicht wegdrückbare Rötung, eine Blase, eine Verfärbung oder eine offene Stelle entdecken. Ein beginnender Dekubitus lässt sich früh gut in den Griff bekommen – eine offene Wunde dagegen braucht fachgerechte Versorgung und heilt oft nur langsam.

Als ambulanter Pflegedienst übernehmen wir in Darmstadt und Umgebung die Behandlungspflege, zeigen Ihnen Lagerungstechniken, die Sie selbst anwenden können, und behalten die gefährdeten Stellen gemeinsam mit Ihnen im Auge. Sie müssen das nicht allein stemmen.

Kurz gesagt: Bewegung, Druckentlastung, ein täglicher Blick auf die Haut und genug zu essen und zu trinken – das sind die vier Säulen, mit denen Sie einem Dekubitus zu Hause am wirksamsten vorbeugen.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich meinen Angehörigen umlagern? Als Anhaltspunkt oft etwa alle zwei Stunden im Bett, im Sitzen häufiger. Der richtige Abstand ist aber individuell. Beobachten Sie, wie schnell sich eine Hautstelle rötet, und passen Sie die Abstände entsprechend an. Wir legen mit Ihnen gern einen Plan fest.

Woran erkenne ich einen beginnenden Dekubitus? Am häufigsten an einer Rötung über einem Knochenvorsprung, die sich mit dem Fingertest nicht wegdrücken lässt. Auch Schmerzen, Verhärtungen oder eine veränderte Hauttemperatur an der Stelle sind Warnzeichen.

Hilft Eincremen allein gegen Wundliegen? Nein. Hautpflege ist wichtig, ersetzt aber nicht die Druckentlastung. Ohne regelmäßiges Umlagern kann auch die beste Creme keinen Dekubitus verhindern.

Zahlt die Pflegekasse eine spezielle Matratze? Antidekubitus-Matratzen werden ärztlich verordnet; die Kranken- oder Pflegekasse beteiligt sich in der Regel. Wir unterstützen Sie dabei, das Passende zu finden und den Weg über den Arzt zu gehen.

Sie möchten sich Unterstützung ins Haus holen?

Sie pflegen einen Angehörigen zu Hause und sind unsicher, ob alles richtig läuft? Wir schauen gemeinsam mit Ihnen, was Ihre Situation braucht – von der Behandlungspflege bis zur Anleitung beim Umlagern. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf oder erfahren Sie mehr über nuvie, Ihren ambulanten Pflegedienst in Darmstadt. Wir melden uns zeitnah bei Ihnen.


Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder pflegefachliche Beratung im Einzelfall. Bei bestehenden Hautschäden oder gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder direkt an uns.


Themen: Dekubitus · Dekubitusprophylaxe · Hautpflege · Lagerung · Bettlägerigkeit · häusliche Pflege · pflegende Angehörige · Darmstadt

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